Der goldene Faden #51 + #52

Der goldene Faden #51 + #52

Willkommen zurück zu unserem „goldenen Faden“. Hier teilen wir die schönsten Momente aus dem Projekt Jardín Municipio Lector. Mit dieser Initiative fördern wir die Lesefreude der Kinder in der Kaffeeregion Jardín, Antioquia. In den aktuellen Berichten aus dem Mai und Juni reisen wir mit Patricia Arroyave an die Schule im Dorf Verdún. Durch wunderbare Geschichten setzen sich die Kinder mit Fantasie, Vielfalt und Gleichberechtigung auseinander und zeigen einmal mehr, wie Bücher völlig neue Welten eröffnen und tiefgründige Gespräche anregen können.

– Unsere Online-Treffen am 21. Mai

20. Mai: Neue Welten erfinden 

Nach einiger Zeit habe ich mich heute, am 20. Mai, wieder mit den Vorschul- und Erstklässler*innen der Schule Miguel Valencia im Dorf Verdún getroffen. Gemeinsam lasen wir eine wunderschöne Geschichte der Autorin Alma Flor Ada mit dem Titel Me gustaría tener... (Ich hätte gerne...). Die Geschichte erlaubte es uns, mit Zahlen zu spielen und über Tiere zu sprechen, die wir noch nie gesehen haben, wie Pumas, aber auch über solche, die manchmal in unsere Häuser kommen, wie Mäuse. Wir lachten bei der Vorstellung, wie Tiere lesen, einkaufen und verkaufen. Es war eine sehr schöne Begegnung, die durch ein Buch entstanden ist, und wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir das unbedingt wiederholen wollen.

11. Juni: Das schönste Ei der Welt 

Am 11. Juni habe ich mit den Kindern der Schule in Verdún das Buch Das schönste Ei der Welt des deutschen Autors Helme Heine gelesen. Diese Geschichte erzählt von drei Hennen, die darum wetteifern, wer die Schönste ist, und der König soll entscheiden. Dafür bittet er jede von ihnen, ein Ei zu legen, und das außergewöhnlichste der drei Eier soll die Gewinnerin bestimmen.


Genau das tun sie, und unter der Bewunderung aller anderen Hennen machen sich Pepita, Dora und Pluma – so heißen sie – daran, ihre drei Eier zu legen. Alle sind unterschiedlich, aber alle sind wunderschön und perfekt. Ein Ei ist weiß, glatt und poliert, ein anderes groß und schwer, und das letzte komplett quadratisch und bunt, was es unmöglich macht, nur eines auszuwählen. Der König erklärt daraufhin alle drei zu Gewinnerinnen und ernennt sie zu Prinzessinnen. So beendet er den Wettbewerb und lehrt uns, dass Schönheit in uns allen steckt, in unseren Handlungen und nicht in Äußerlichkeiten.

Diese Geschichte regte zu Gesprächen über die Besonderheiten jedes Einzelnen und den Respekt vor Unterschieden an. Wir fragten uns aber auch, was eine Prinzessin eigentlich ist, was sie in ihrem Alltag macht und warum der König wichtiger ist als die Königin, die in der Geschichte nicht einmal vorkommt. Zum Schluss kam die Frage auf, wie man diejenigen nennt, die weder Könige noch Prinzessinnen sind, also den Rest der Hennen; „Damen des Hühnerstalls“, sagte ein Mädchen, und so verabschiedeten wir uns bis zu unserem nächsten Treffen.